
Vertreter:innen der Bündnispartner auf der Pressekonferenz © ADFC Bayern
Sozial. Sicher. Klimafreundlich: Bündnis stellt Forderungen zur Kommunalwahl vor
Wie können Bayerns Städte und Gemeinden Mobilität sozial gerecht, sicher und klimafreundlich gestalten? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt der Pressekonferenz des Bündnisses Sozialverträgliche Mobilitätswende Bayern am 12. Januar 2026 in München.
Mit Blick auf die Kommunalwahl 2026 formulierte das Bündnis in einem Forderungspapier klare Erwartungen an die Kommunalpolitik. Der ADFC Bayern brachte dabei insbesondere die Perspektive des Umwelt- und Klimaschutzes ein und machte deutlich: Die Mobilitätswende wird vor Ort entschieden.
Vertreter:innen aus Sozial-, Umwelt- und Verkehrsverbänden waren sich einig, dass es dabei nicht um abstrakte Zukunftsziele geht, sondern um konkrete kommunale Gestaltungsaufgaben. Die Weichen für eine lebenswerte, sichere und klimafreundliche Mobilität müssen jetzt gestellt werden.
Mobilität ist öffentliche Verantwortung
Auf der Pressekonferenz wurde betont, dass Mobilität Teil der kommunalen Daseinsvorsorge ist. Sie entscheidet darüber, ob Menschen sicher zur Schule kommen, selbstständig mobil bleiben oder ohne eigenes Auto Arzttermine und Arbeitsplätze erreichen können.
Verena Bentele, Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern, stellte klar: „Die kommunale Politik muss die sozialverträgliche Mobilitätswende als eine ihrer zentralen Aufgaben ansehen.“ Bezahlbare Ticketpreise, Sozialtickets und Barrierefreiheit seien dafür unverzichtbar.
Auch Matthias Birkmann, Landesgeschäftsstellenleiter der EVG Bayern, verwies auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für Bus und Bahn: Ohne ausreichend Personal, faire Löhne und verbindliche Tariftreue gebe es keinen stabilen und zukunftsfähigen ÖPNV.
Umwelt- und Klimaschutz beginnt in den Kommunen
Für den ADFC Bayern und stellvertretend für die bayerischen Landesverbände des VCD und des BUND Naturschutz ergänzte die Vorsitzende des Fahrradclubs Eva Mahling die bisherigen Beiträge um die Umwelt- und Klimaperspektive. Der Verkehrssektor verfehle bislang seine Klimaziele deutlich und verursache weiterhin erhebliche ökologische Schäden, von Luftschadstoffen über Lärm bis hin zu hohem Flächen- und Ressourcenverbrauch.
„Umwelt- und Klimaschutz im Alltag bedeutet, dass Menschen echte Alternativen zum eigenen Auto haben: einen zuverlässigen und bezahlbaren öffentlichen Personennahverkehr sowie sichere und komfortable Wege zu Fuß und mit dem Rad“, so Mahling. Entscheidend sei, dass sich die verschiedenen Verkehrsarten nahtlos miteinander verbinden lassen.
Kommunen verfügten hierfür über konkrete Handlungsspielräume und trügen Verantwortung dafür, wie lebenswert Städte und Gemeinden sind.
Rad- und Fußverkehr konsequent stärken
Ein zentraler Schwerpunkt der ADFC-Positionen lag auf dem Rad- und Fußverkehr als wirksamstem Instrument kommunaler Klimapolitik im Verkehrsbereich. Beide Verkehrsarten verursachen keine direkten Emissionen, sind energieeffizient und verbessern zugleich Gesundheit und Lebensqualität.
Für den Fußverkehr fordert das Bündnis unter anderem verbindliche Fußverkehrspläne, mehr sichere Querungen und ein konsequentes Vorgehen gegen Gehwegparken. Gerade für Kinder müssen Schul- und Alltagswege so gestaltet sein, dass sie selbstständig und sicher genutzt werden können.
Im Radverkehr braucht es aus Sicht des ADFC ambitionierte Ziele, etwa eine deutliche Steigerung des Radverkehrsanteils in den kommenden Jahren. Voraussetzung dafür sind durchgängige, sichere und barrierefreie Radwegenetze, baulich getrennte Radwege an Hauptstraßen, sichere Kreuzungen und mehr Fahrradstraßen. Entscheidend sei nicht das einzelne Vorzeigeprojekt, sondern ein lückenloses Alltagsnetz.
Verkehrsberuhigung schafft Lebensqualität
Ein weiterer zentraler Punkt der Forderungen ist die Verkehrsberuhigung in Städten und Gemeinden. Weniger Autoverkehr bedeutet weniger Lärm, bessere Luft, mehr Sicherheit und höhere Aufenthaltsqualität, insbesondere für Kinder.
Das Bündnis fordert unter anderem Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit dort, wo es rechtlich möglich ist, Schulstraßen, autoarme und autofreie Quartiere sowie eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums zugunsten von Fuß- und Radverkehr. Die jüngsten Novellen der Straßenverkehrsordnung eröffnen hierfür neue Spielräume, die Kommunen konsequent nutzen sollten.
Rückendeckung für Kommunen notwendig
Einigkeit herrschte darüber, dass Kommunen diese Aufgaben nicht allein stemmen können. Bund und Land sind gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen – etwa durch eine langfristig gesicherte Finanzierung des ÖPNV, ausreichende Mittel für Rad- und Fußverkehr und die Anerkennung von Mobilität als Pflichtaufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge. Zudem fordert das Bündnis eine bayernweite Mobilitätsgarantie mit verbindlichen Mindeststandards, auch für den ländlichen Raum.
Kommunalwahl als Weichenstellung
Zum Abschluss wurde deutlich: Die Kommunalwahl 2026 entscheidet darüber, ob Bayerns Städte und Gemeinden sicherer, leiser und klimafreundlicher werden. „Es geht nicht um Ideologie“, betonte Eva Mahling, „sondern um sichere Wege, verlässliche Mobilität und den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Lebensräumen.“
Der ADFC Bayern wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass Umwelt- und Klimaschutz in der kommunalen Mobilität konsequent mitgedacht und umgesetzt werden – sozial gerecht, sicher und alltagstauglich.








