
Fahrradklimatest 2024 © ADFC | April Agentur
ADFC-Fahrradklima-Test 2024: Noch ein weiter Weg bis zum „Radlland Bayern“
Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2024 zeigen: Bayern ist noch weit entfernt von einem echten Fahrradland. Trotz leichter Verbesserungen bei Leihfahrrädern und Radabstellanlagen bleibt das Radklima im Freistaat weiterhin unbefriedigend.
Die Gesamtbewertung verbessert sich minimal auf 3,92 (2022: 4,0). Rund 213.000 Personen nahmen an der Umfrage teil, davon 31.994 aus Bayern. 161 bayerische Kommunen kamen in die Wertung.
Bayerische Spitzenreiter nach Stadtgröße
Erlangen belegt in der Größenklasse 100.000 bis 200.000 Einwohner:innen erneut den 1. Platz bundesweit und gehört damit zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands. Nürnberg erhält den Titel „Aufholer“ für die bundesweit beste Entwicklung in der Kategorie über 500.000 Einwohner:innen.
- Über 500.000 Einwohner:innen: München (Note 3,89, Platz 5 von 15 bundesweit)
- 200.000–500.000 Einwohner:innen: Augsburg (Note 4,06, Platz 14 von 25 bundesweit)
- 100.000–200.000 Einwohner:innen: Erlangen (Note 3,13, Platz 1 von 42 bundesweit – Spitzenreiter)
- 50.000–100.000 Einwohner:innen: Aschaffenburg (Note 3,88, Platz 35 von 113 bundesweit)
- 20.000–50.000 Einwohner:innen: Sonthofen (Note 3,17, Platz 10 von 429 bundesweit, leicht verbessert)
- Bis 20.000 Einwohner:innen: Neuried (Note 3,04, Platz 12 von 423 bundesweit, stark verbessert)
Sicherheit und Infrastruktur: Die größten Schwachstellen
Das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden bleibt das zentrale Problem und liegt weiterhin auf niedrigem Niveau (Note 4,3). Zu den am schlechtesten bewerteten Einzelaspekten zählen:
- Fehlende Kontrolle von Falschparkenden auf Radwegen: Note 4,7
- Zu schmale Radwege: Note 4,7
- Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln: Note 4,7 – Bayern bleibt damit hinter den meisten Bundesländern zurück
Vergleichsweise positiv schneiden die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,8), für den Radverkehr geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Note 3,0) sowie das Radfahren aller Altersgruppen (Note 3,0) ab.
„Dass sich ein Großteil der Radlerinnen und Radler in Bayern nicht sicher fühlt, ist für die einen ein Ärgernis und für andere ein echtes Hemmnis. Zu schmale und zugeparkte Radwege und zu enges Überholen durch Autofahrende sorgen für einen konstant hohen Stresspegel. Damit mehr Menschen aufs Rad steigen, braucht es endlich durchgängige Radwegenetze, die möglichst getrennt vom Autoverkehr verlaufen.“ – Eva Mahling, Vorsitzende des ADFC Bayern
Zusatzbefragung: Miteinander im Verkehr
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Tests war das Miteinander verschiedener Verkehrsteilnehmenden. Das Ergebnis ist deutlich: 78 Prozent der befragten Radfahrenden aus Bayern kritisieren, dass sie häufig zu eng überholt werden (Note 4,6). Dass insgesamt zu wenig für ein rücksichtsvolles Miteinander im Verkehr geworben wird, sagen 72 Prozent (Note 4,3). Die Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit und die Umsetzung der Vision Zero – keine Verkehrstoten und Schwerverletzten – werden mit 4,2 benotet. Lediglich das Miteinander unter Radfahrenden selbst wird als überwiegend zufriedenstellend bewertet (Note 3,1).
„Dass zu geringer Überholabstand nicht nur ein Gefühl ist, sondern belegbarer Alltag von Radfahrenden, zeigen die Messungen des ADFC mit dem OpenBikeSensor. Denn oft ist nicht ausreichend bekannt, dass Autos und Lkw beim Überholvorgang innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts mindestens 2 Meter Seitenabstand zu Radfahrenden halten müssen.“ – Eva Mahling, Vorsitzende des ADFC Bayern
Positive Entwicklungen: Mehr Abstellanlagen und Mieträder
In einigen Bereichen nehmen die Befragten aus Bayern Verbesserungen wahr: Das Angebot an Fahrradabstellanlagen wird besser bewertet (Note 3,8; 2022: 3,9), ebenso das Angebot an öffentlichen Mieträdern (Note 3,8; 2022: 4,0). Demgegenüber hat sich die Bewertung des Winterdienstes auf Radwegen leicht verschlechtert (Note 4,0; 2022: 3,8).
ADFC Bayern fordert stärkere Förderung des Radverkehrs
Angesichts der weiterhin unbefriedigenden Ergebnisse ruft der ADFC Bayern alle Parteien auf, sich vor der Kommunalwahl 2026 für eine deutlich stärkere Förderung des Radverkehrs einzusetzen und die neuen Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung zu nutzen. Wirkliche Verbesserungen durch das 2022 beschlossene bayerische Radgesetz seien bislang nicht erkennbar.
Über den ADFC-Fahrradklima-Test
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die weltweit größte Zufriedenheitsumfrage unter Radfahrenden. Er wird alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2024 zum elften Mal statt. Die Befragung lief von September bis November 2024. Bewertet werden Sicherheit und Komfort beim Radfahren, Infrastruktur, Förderung des Radverkehrs, Verkehrsklima sowie die subjektive Zufriedenheit. Die Ergebnisse sind statistisch nicht repräsentativ, haben aber durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft.
Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2024 für Bayern sowie Handlungsempfehlungen haben wir in einer Broschüre aufbereitet. Diese ist oben rechts in der blauen Medienbox verlinkt.








