
ADFC-Fahrradklima-Test 2020: Bayerisches Fahrradklima bleibt unbefriedigend
Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 zeigen: Die Zufriedenheit der Radfahrenden in Bayern hat sich nicht verbessert. Rund zwei Drittel der Befragten fühlen sich beim Radfahren im Freistaat nicht sicher.
Rund 230.000 Radfahrende bewerteten bundesweit das Fahrradklima in ihrer Stadt oder Gemeinde – so viele wie nie zuvor. 167 bayerische Kommunen kamen in die Wertung.
Bayerische Spitzenreiter nach Stadtgröße
Unter den 18 fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands schafft es aus Bayern erneut allein Erlangen als Spitzenreiter in seiner Größenklasse. Würzburg erhält den Titel „Aufholer“ für die bundesweit beste Entwicklung in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner:innen.
- Über 500.000 Einwohner:innen: München (Note 3,84, Platz 4 von 14 bundesweit)
- 200.000–500.000 Einwohner:innen: Augsburg (Note 3,97, Platz 11 von 26 bundesweit)
- 100.000–200.000 Einwohner:innen: Erlangen (Note 3,29, Platz 2 von 41 bundesweit – Spitzenreiter)
- 50.000–100.000 Einwohner:innen: Bamberg (Note 3,79, Platz 31 von 110 bundesweit)
- 20.000–50.000 Einwohner:innen: Sonthofen (Note 3,31, Platz 18 von 415 bundesweit – erstmals in der Wertung)
- Bis 20.000 Einwohner:innen: Oberhaching (Note 2,77, Platz 11 von 418 bundesweit)
Fahrradboom während Corona – Infrastruktur hängt hinterher
Die Corona-Pandemie hat den Radverkehr in Bayern beflügelt: Über alle Ortsklassen hinweg sind die Befragten der Meinung, dass die Bedeutung des Fahrrads während der Pandemie gestiegen ist. Popup-Radwege, wie sie in München und Fürth eingerichtet wurden, werden als handfeste Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit wahrgenommen. Städte und Gemeinden, die während der Pandemie keine Maßnahmen für den Radverkehr ergriffen haben, erhalten bundesweit die Note 5,0.
„Schon zu Beginn des ersten Lockdowns haben wir festgestellt, dass viele Menschen, die zuvor nur selten geradelt sind, aufs Rad umgestiegen sind. Dadurch ist es auf den ohnehin schon engen Fahrradwegen noch enger geworden. Der Fahrradklima-Test hat nun gezeigt, dass Maßnahmen für mehr Platz auf dem Rad durchaus honoriert werden.“ – Bernadette Felsch, Vorsitzende des ADFC Bayern
Sicherheit und Infrastruktur: Die größten Schwachstellen
Das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden bleibt das zentrale Problem: 64 Prozent der Befragten in Bayern geben an, sich als Radfahrer:in gefährdet zu fühlen (Note 4,3). Zu den am schlechtesten bewerteten Einzelaspekten zählen:
- Fehlende Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen: Note 4,9 (68 % der Befragten)
- Führung von Radwegen an Baustellen: Note 4,8 (69 % der Befragten)
- Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln: Note 4,8
- Ampelschaltungen für den Radverkehr: Note 4,7
- Zu schmale Radwege: Note 4,7 (72 % der Befragten)
Vergleichsweise positiv schneidet die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad ab (Note 2,8). Auch für Radfahrende in Gegenrichtung freigegebene Einbahnstraßen werden gut bewertet (Note 2,9). 62 Prozent der Befragten bestätigen, dass in ihrer Stadt Jung und Alt Rad fahren (Note 3,1).
ADFC Bayern fordert mehr Platz fürs Rad
Angesichts der stagnierenden Ergebnisse fordert der ADFC Bayern, schnell und konsequent mehr Platz für den Radverkehr zu schaffen. Der Fahrradboom während der Corona-Pandemie macht deutlich, wie groß der Bedarf ist – und wie dringend der Ausbau der Radinfrastruktur vorangetrieben werden muss.
Über den ADFC-Fahrradklima-Test
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die weltweit größte Zufriedenheitsumfrage unter Radfahrenden. Er wird alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Bundesweit nahmen rund 230.000 Radfahrende teil; 1.024 Städte kamen in die Wertung – mehr als je zuvor. Die Befragung lief von September bis November 2020.








