
Eva Mahling, Vorsitzende ADFC Bayern und Referentin Beate Pfänder, Diplom-Sportwissenschaftlerin an der TU München © ADFC Bayern I Werner Müller
Radwege sind Gesundheitsinfrastruktur: Bewegung im Alltag stärkt die Gesundheit
Bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der AOK Bayern zeigte der ADFC Bayern, wie sich Bewegung selbstverständlich in den Alltag integrieren lässt. Ein Vortrag mit praktischen Übungen und eine gemeinsame Radtour durch München machten deutlich:
Wer regelmäßig Rad fährt, tut etwas für die eigene Gesundheit. Damit möglichst viele Menschen davon profitieren können, braucht es sichere Radwege.
Bewegung hält gesund, stärkt das körperliche und psychische Wohlbefinden und kann dazu beitragen, zahlreichen chronischen Erkrankungen vorzubeugen. Doch Bewegung muss nicht immer Sport sein. Sie kann dort stattfinden, wo wir ohnehin unterwegs sind: auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder zu Freundinnen und Freunden. Das Fahrrad bietet die Möglichkeit, alltägliche Wege mit regelmäßiger Bewegung zu verbinden, ohne dafür einen zusätzlichen Termin im Kalender einplanen zu müssen.
Wie groß das gesundheitliche Potenzial dieser aktiven Mobilität ist, stand am Montag, 19. Oktober 2026, bei der Veranstaltung „Bewegung – Medizin ohne Nebenwirkungen“ in München im Mittelpunkt. Der ADFC Bayern hatte im Rahmen des Bayerischen Präventionstages gemeinsam mit der AOK Bayern zu einem Vortrag mit anschließender Radtour eingeladen.
Bewegung verstehen und direkt erleben
Als Referentin gab Beate Pfänder, Diplom-Sportwissenschaftlerin an der Technischen Universität München, einen fachlichen Einblick in die gesundheitlichen Auswirkungen von Bewegung im Alltag. Dabei blieb es nicht bei der Theorie: Mit praktischen Übungen bezog sie die Teilnehmenden aktiv ein und machte Bewegung unmittelbar erlebbar.
Im Anschluss ging es gemeinsam aufs Fahrrad. Die Gruppe fuhr durch den Englischen Garten und entlang der Isar. So verband die Veranstaltung Information und eigenes Erleben und zeigte, wie sich Bewegung und Mobilität auf natürliche Weise miteinander verknüpfen lassen.
Denn viele Menschen müssen ihren Alltag ohnehin organisieren und Wege zurücklegen. Wer dafür das Fahrrad nutzt, kann Bewegung in den Tagesablauf integrieren, ohne zusätzlich Zeit für eine Sporteinheit freihalten zu müssen. Das Fahrrad erweitert den Aktionsradius und ermöglicht es, viele Ziele selbstständig und aktiv zu erreichen.
Sichere Radwege sind Voraussetzung für gesunde Mobilität
Damit mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen können, reicht es allerdings nicht aus, auf die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens hinzuweisen. Menschen brauchen auch die passenden Bedingungen, um sich im Alltag gerne und sicher mit dem Fahrrad fortzubewegen.
Deshalb sagt der ADFC: Radwege sind Gesundheitsinfrastruktur.
Sichere, durchgängige und komfortable Radwege ermöglichen Bewegung im Alltag. Sie schaffen Voraussetzungen für Gesundheitsförderung und Prävention, stärken die selbstständige Mobilität und erleichtern gesellschaftliche Teilhabe. Davon können Menschen unterschiedlichen Alters und in ganz verschiedenen Lebenssituationen profitieren, vom Kind auf dem Schulweg über Berufspendelnde bis zu älteren Menschen, die mobil und selbstständig bleiben möchten.
Gesundheitsfördernde Mobilität ist damit nicht allein eine Frage individueller Entscheidungen. Sie hängt auch davon ab, wie Straßen und öffentliche Räume gestaltet sind. Wo Radwege fehlen, unterbrochen sind oder sich unsicher anfühlen, werden Menschen davon abgehalten, alltägliche Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Eine gute Radinfrastruktur eröffnet dagegen mehr Menschen die Möglichkeit, Bewegung selbstverständlich in ihr Leben einzubauen.
Für den ADFC Bayern folgt daraus eine klare politische Konsequenz: Der gesundheitliche und präventive Nutzen aktiver Mobilität sollte bei Entscheidungen über Verkehr und Infrastruktur ein eigenständiger Maßstab sein. Radverkehrspolitik ist damit auch Gesundheitspolitik.
Gesundheit und Mobilität gemeinsam denken
Wie sich dieses Potenzial besser nutzen lässt und welche politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind, diskutierte der ADFC auch beim internationalen Symposium „Gesundheit x Mobilität – Radverkehr als Investition in unsere Zukunft“ am 14. Oktober 2026 in Berlin.
Dort brachte der Fahrradclub Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Radverkehr stärker als Beitrag zu Gesundheit, Lebensqualität und Prävention berücksichtigt werden kann. Ein Schwerpunkt lag auf der Bedeutung sicherer Infrastruktur und der notwendigen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Politik- und Fachbereichen.
Der ADFC fordert, Gesundheit und Prävention bei der Planung und Förderung von Radverkehr stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung der Radinfrastruktur langfristig verlässlich abzusichern. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse über die positiven Wirkungen von Bewegung können ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn Menschen im Alltag tatsächlich die Möglichkeit haben, sich sicher und aktiv fortzubewegen.
Die Veranstaltung des ADFC Bayern mit der AOK Bayern hat diesen Zusammenhang auf anschauliche Weise aufgegriffen: Bewegung kann im Alltag beginnen – auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkauf oder bei einer Fahrt durch den Englischen Garten. Damit daraus eine echte Möglichkeit für möglichst viele Menschen wird, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.
Gesundheit darf deshalb nicht nur ein positiver Nebeneffekt der Radverkehrspolitik sein. Sie muss bei politischen Entscheidungen mitgedacht werden. Denn sichere Radwege ermöglichen mehr als Mobilität: Sie schaffen Raum für Bewegung, Prävention und Lebensqualität.
Mehr über das ADFC-Symposium gibt es unter ADFC-Symposium „Gesundheit x Mobilität“












