Mobilität in Deutschland 2023 – Was die neue Studie für den Radverkehr in Bayern - ADFC Bayern

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Bayern e. V.

Mobilität in Deutschland 2023 – Was die neue Studie für den Radverkehr in Bayern

Heute hat das bayerische Verkehrsministerium die Ergebnisse der Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD 2023) vorgestellt. Für den ADFC Bayern lohnt sich vor allem der Blick auf die Zahlen zum Fahrrad – und die zeichnen ein klares Bild:

Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter und Robert Follmer, Infas, präsentieren die Ergebnisse für Bayern. © ADFC Bayern

Das Rad ist in den allermeisten bayerischen Haushalten vorhanden, wird im Alltag aber deutlich seltener genutzt, als es das Potenzial eigentlich erlauben würde. Der Grund dafür liegt nicht bei den Menschen, sondern an den Bedingungen, unter denen sie Rad fahren sollen – das zeigen die Zahlen sehr deutlich.

Die wichtigsten Ergebnisse

Fahrradbesitz: 79 Prozent der Bayerinnen und Bayern ab 14 Jahren besitzen ein eigenes Fahrrad, E-Bike oder beides. Dieser Wert liegt im Freistaat höher als im Bundesschnitt (75 Prozent). Rechnet man auch die Kinder unter 14 Jahren mit ein, besitzt sogar 71 Prozent der gesamten bayerischen Bevölkerung ein klassisches Fahrrad ohne Elektroantrieb.

Tägliche Nutzung: Nur 17 Prozent steigen (fast) täglich aufs Rad. Zum Vergleich: 48 Prozent nutzen täglich das Auto.

Modal Split: Das Fahrrad kommt auf 11 Prozent aller Wege, aber nur auf 4 Prozent der gefahrenen Kilometer. Radfahren bleibt also meist auf kurze Strecken beschränkt.

Regionale Unterschiede: In Oberbayern liegt der Radanteil bei 13 Prozent, in Niederbayern nur bei 6 Prozent. In Großstädten wird deutlich mehr geradelt (bis zu 18 Prozent der Wege) als auf dem Land (teils nur 8 Prozent).

Wegezweck: Die meisten Radfahrten (34 Prozent) finden in der Freizeit statt.

Streckenlänge: Ohne Motor sind Radwege im Schnitt 4 km lang und dauern 21 Minuten, mit E-Antrieb 6 km und 33 Minuten. E-Bikes machen also längere Distanzen alltagstauglich.

Schulnote für die Verkehrssituation: Mit einer 2,7 liegt das Radfahren in der Bewertung der Befragten klar zwischen den Extremen – spürbar schlechter als das Auto (2,0) und das Zufußgehen (2,3), aber deutlich besser als der ÖPNV, der mit 3,5 die schlechteste Note aller Verkehrsmittel erhält.

Vergleich zur letzten Studie (MiD 2017): Am meisten gibt dieser Befund zu denken: Der Radverkehrsanteil an allen Wegen in Bayern liegt seit 2017 unverändert bei 11 Prozent. Der Fußverkehr konnte im gleichen Zeitraum 4 Prozentpunkte zulegen, der Autoverkehr verlor 3 Punkte, nur das Fahrrad bewegt sich nicht. Einzige Ausnahme: In den kreisfreien Großstädten ist der Radanteil leicht gewachsen, von 17 auf 18 Prozent. Außerhalb der Städte hat sich beim Radverkehr seit sechs Jahren nichts getan.

Was heißt das aus Sicht des ADFC Bayern?

Die Zahlen zeigen eine riesige Lücke: Fast acht von zehn Menschen in Bayern haben ein Rad zur Verfügung, aber nur gut jede sechste Person nutzt es täglich. Das Potenzial ist also längst da, es wird nur nicht ausgeschöpft. Noch bedenklicher: Sechs Jahre nach der letzten Erhebung hat sich am Radverkehrsanteil in Bayern praktisch nichts verändert, mit Ausnahme der Großstädte, wo die Infrastruktur spürbar besser ausgebaut ist. Das zeigt deutlich: Mehr Radverkehr entsteht nicht von selbst, sondern nur dort, wo auch investiert wird. Und die Schulnote 2,7 verrät, woran es vielerorts noch hapert: Die Infrastruktur überzeugt die Menschen schlicht nicht.

Unsere Forderung an die bayerische Verkehrspolitik ist deshalb klar: Wir brauchen mehr sichere, durchgängige und gut ausgebaute Radwege. In den Städten genauso wie auf dem Land. Nur so wird aus vorhandenem Fahrradbesitz auch tatsächliche Fahrradnutzung, und nur so kommt der Stillstand der letzten sechs Jahre endlich in Bewegung. Bayern hat die Räder. Jetzt braucht es die Wege und die sicheren Bedingungen dafür.

Die Ergebnisse für Bayern der Studie “Mobilität in Deutschland 2023” sind in der blauen Medienbox rechts nachzulesen.

https://bayern.adfc.de/neuigkeit/mobilitaet-in-deutschland-2023-was-die-neue-studie-fuer-den-radverkehr-in-bayern

Bleiben Sie in Kontakt