Marion Wöhrl, Augsburg - ADFC Bayern

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Bayern e. V.

Marion Wöhrl, Augsburg

Sprecherin des Frauennetzwerks

Radln ist geil, weil es mir den Kopf frei macht. Nicht immer mit Helm liebe ich es, mir den Wind um die Nase wehen zu lassen. Wenn ich dann noch den Duft der jeweiligen Jahreszeit in der Nase hab, an Feldern oder durch den Wald radel, dann bin ich einfach glücklich und genieße jeden Moment.

Ich fahre…

... auch mehrere Räder. Mein kleines Schwarzes ist ein Marschall, das ich „geerbt“ habe und das mich auch schon bis Dubrovnik getragen hat. Durch meine Körperbehinderung bedingt bin ich auf ein E-Bike umgestiegen, was mir längere Touren ermöglicht, aber einfach auch den Radius für alltägliche Fahrten erhöht und den inneren Schweinehund wesentlich reduziert. Mein nächstes Projekt ist das grüne XXX meines Vaters wieder zum Glänzen zu bringen. Das hab ich mir in meiner Jugend oft gegen seinen Willen ausgeliehen. Dann hab ich noch Gästeräder, ein Klapprad, ein auf der Straße gefundenes Bonanza-Rad in der Garage stehen, die teilweise auf Wartung warten.

Ich engagiere mich im ADFC, weil...

… weil Radfahren einfach die beste Fortbewegungsweise ist, für uns, für die Umwelt. Es wird uns auch in Zukunft die Mobilität erlauben, die wir brauchen, um in Land und Stadt unsere täglichen Wege oder Teilstrecken zurückzulegen. Am ADFC finde ich cool, dass sich so viele unterschiedliche Radler:inneninteressen zusammenfinden. So haben wir zusammen Gewicht und können Einfluss auf eine radfreundliche Verkehrspolitik vor Ort oder überregional nehmen.

Was muss sich dringend ändern, damit noch mehr Frauen Fahrrad fahren?

Tja, viele Themen fallen vermutlich erst auf den zweiten Blick auf.

Zwei „Damenräder“ musste ich als Jugendliche zu Schrott fahren, bis ich endlich ein Rennrad mit Stange bei meinen Eltern durchsetzen konnte. Das war in den 80ern. Bei einem Radunfall, behauptete der Unfallgegner, ein älterer Mann, dass ich schuld sei, weil ich als Mädchen ein „Herrenrad“ gefahren habe. Ein Anwalt konnte dieses Argument entkräften, verzichtete auf Honorar und so bekam ich mein Bianchi. Ich glaube, ich konnte meinem Onkel auch beweisen, dass Frauen nicht unfruchtbar werden, wenn sie „Herrenräder“ fahren. Das ist heute natürlich alles anders. Trotzdem werde ich gefragt, ob ich nicht Angst habe, durch den Stadtwald oder bestimmte Viertel zu fahren oder ob ich mich echt traue, als Frau allein auf Radtour zu gehen.

Ich glaube Frauen fahren schon viel Rad. Oft haben sie sich Handlungsroutinen im Straßenverkehr angewöhnt, die ultradefensiv sind. Also z.B. absteigen, um dann zu Fuß über die Fußgängerampel zu gehen, anstatt links abzubiegen. Vermutlich vernünftig, sich zuvorderst um die eigene Sicherheit zu sorgen. Ich wünsche mir da, wie im restlichen Leben auch, mehr Selbstverständnis, sich den gleichen Raum zu nehmen. Aber auch, dass sich die Bedingungen für Radfahren insgesamt verbessern. Nicht nur die Infrastruktur. Sondern, dass Radfahrende als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen respektiert werden, z.B. Abstand beim Überholen, Aufmerksamkeit bei Rechtsabbiegen und Türen öffnen und anderen typischen Situationen. Damit wir nicht um unsere körperliche Unversehrtheit bangen müssen, sobald wir Verkehrsteilnehmerinnen sind.

https://bayern.adfc.de/artikel/marion-woehrl-augsburg

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