
Enges Fahrradfahren in der Stadt © ADFC I Gerhard Westrich
Verkehrsunfallstatistik 2020: Weiterhin viele verletzte und getötete Radfahrende
Die Zahl der im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in Bayern getöteten Personen ist auf einem Rekordtief, die der getöteten Radfahrer*innen bleibt auf hohem Niveau.
- Die Zahl der Radunfälle ist um 9,6 Prozent auf 19.212 und die Zahl der verletzten Radfahrenden um 11,1 Prozent auf 18.006 gestiegen.
- 2020 kamen auf Straßen im Freistaat 484 Menschen ums Leben, 68 davon auf dem Fahrrad.
- Der ADFC Bayern fordert eine sichere Infrastruktur und mehr Rücksicht anstelle unfairer Schuldzuweisungen.
München, 18. Februar 2021 – Staatsminister Joachim Herrmann hat heute Mittag die Unfallstatistik 2020 vorgestellt. Während die Zahl der insgesamt im bayerischen Straßenverkehr getöteten Personen auf das Allzeit-Tief von 484 gesunken ist, wurden 2020 19.212 Radfahrende in Unfälle verwickelt - für 68 Radfahrende endete der Unfall tödlich.
Damit wird zwar nicht mehr der traurige Rekord der beiden Vorjahre mit jeweils 77 getöteten Radfahrenden erreicht, die Zahl ist jedoch vergleichsweise noch immer sehr hoch, die Zahl der verletzten Radfahrenden ist um über 11 Prozent gestiegen.
Sehr irritiert zeigt sich die ADFC-Landesvorsitzende Bernadette Felsch über die Kommentierung der Unfallstatistik durch den bayerischen Innenminister auf der Pressekonferenz:
„Während Staatsminister Herrmann sich über verunfallte Motorradfahrende „sehr besorgt“ zeigte und ihnen Sicherheitstipps versprach und Sicherheitstrainings empfahl, wies er den Radfahrenden „bei den 40% Alleinunfällen sowie in der Hälfte der übrigen Fälle“ die Allein- oder Hauptschuld aufgrund von angeblichem Fehlverhalten zu und kündigte für 2021 entsprechende Sanktionen und Kontrollen für Radfahrende an.
Schon bei der Radverkehrsanhörung am 2. Februar 2021 im Landtag habe ich klargestellt, dass soge-nannte Alleinunfälle meist durch Schlaglöcher, Verschmutzungen, falsch geparkte KFZ oder unerwar-tete Hindernisse auf zu engen Radwegen verursacht werden, denn Rad- und Fußverkehr werden bei Planungen und Instandhaltungsmaßnahmen viel zu häufig vergessen, obwohl sie besonders vulnera-bel sind. Die ebenfalls anwesenden Experten aus der Unfallforschung und Verkehrsplanung be-stätigten meinen Hinweis mehrmals.“
Auch die letztjährige deutschlandweite Unfallstatistik von Destatis belegt: Bei rund Dreiviertel der Radunfälle war ein KFZ beteiligt. Die KFZ-Fahrenden trugen bei diesen Unfällen in rund 77 Prozent der Fälle die Hauptschuld, bei Beteiligung von LKW sogar in über 80 Prozent der Fälle. Dass sie weit glimpflicher davonkamen als die Radfahrenden, versteht sich von selbst.
„Der heute wiederholten pauschalen Schuldzuweisung durch Innenministerium und Polizei möchte ich deshalb entschieden widersprechen! Auch wenn sich – ebenso wie alle anderen Verkehrsteilnehmen-den – zweifellos auch nicht alle Radfahrenden immer korrekt oder regelkonform verhalten (was auch der ADFC ausdrücklich nicht gutheißt), so tragen sie auf jeden Fall das deutlich größere Risiko und gefährden vor allem sich selbst. Genau das belegt auch die heute veröffentlichte Statistik. Victim blaming schafft keine Rücksicht und kein besseres Miteinander. An letzterem hätten wir als Fahrradlobby jedoch das allergrößte Interesse!“
Besonders ärgerlich sind die Schuldzuweisungen an die Radfahrenden auch vor dem Hintergrund, dass den ADFC erst letzte Woche zahlreiche Beschwerden über die Veröffentlichung eines Video-spots des Innenministeriums zum „Toten Winkel“ erreichten. Dieses zeigt einen LKW-Fahrer, der einen Radfahrer viel zu dicht von hinten überholt, um dann – obwohl er ihn im Spiegel sieht – zügig neben dem Radfahrer nach rechts abzubiegen. Kommentiert wird das vom LKW-Fahrer mit der Bitte, die Radfahrenden mögen doch bitte auch aufpassen. (Das Video ist hier abrufbar: https://www.facebook.com/BayStMI/videos/756292751953433)
Um die Unfallrisiken zu minimieren und Leben zu schützen, fordert der ADFC Bayern Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis, sowie eine rapide Verbesserung der Radinfrastruktur und verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen. Geschützte Radwege, sichere Kreuzungen mit getrennten Ampelschaltungen und guten Sichtbeziehungen, eine Pflicht für LWK-Abbiegeassistenten und ein konsequentes Ahnden von Rad- und Gehwegparken würden deutliche Fortschritte erzielen.
Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 200.000 Mitgliedern, davon mehr als 30.000 in Bayern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.
ADFC-Kampagne #MehrPlatzfürsRad im Web: https://www.mehrplatzfürsrad.de
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